Grenzenlose Bildung: Europa als Bildungsraum entdecken
Projektdauer: 1. Juni 2024 bis 30. November 2025
Erfahrungsberichte
Grenzenlose Bildung in der Praxis: Job-Shadowing in Südtirol als Impulsgeber für die Volkshochschulen Oberösterreichs
Um den steigenden Anforderungen im Bildungsbereich gerecht zu werden und die hohe Qualität der Angebote langfristig zu sichern, ist die kontinuierliche berufliche Weiterentwicklung von Mitarbeiter:innen und Kursleitenden unerlässlich. Genau hier setzte das Erasmus+ Mobilitätsprojekt „Grenzenlose Bildung: Europa als Bildungsraum entdecken“ an.
Von 1. bis 3. Oktober 2025 nahmen insgesamt neun Mitarbeiter:innen und Führungskräfte der oberösterreichischen Volkshochschulen an einem Job-Shadowing bei der Volkshochschule Südtirol in Bozen und der Urania Meran teil. Ziel war es, praxisnahe Einblicke in Organisationsstrukturen, Finanz- und Bildungsmanagement sowie innovative Ansätze der Erwachsenenbildung zu gewinnen.
Lernen durch Vergleich: Zwei Institutionen, viele Impulse
Im Zentrum des Aufenthalts stand der strukturierte fachliche Austausch mit Leitung, Verwaltung, Programmplanung, Marketing und IT der beiden Einrichtungen. An der VHS Südtirol lag der Fokus insbesondere auf Finanzierung, Förderstrukturen, Controlling und Kursmanagement. Die Teilnehmenden erhielten praxisnahe Einblicke in Instrumente zur Bewertung der Wirtschaftlichkeit von Kursen, zur Berechnung und Optimierung von Deckungsbeiträgen sowie in den Umgang mit Angeboten mit geringer Kostendeckung.
Ein weiteres zentrales Thema war die Balance zwischen zentraler Steuerung und lokaler Autonomie der Ortstellen – ein Aspekt, der für viele oberösterreichische Volkshochschulen unmittelbar anschlussfähig ist. Ergänzt wurde dies durch Einblicke in Kursverwaltungssysteme, bevorzugte Kursformate und die Organisationsstruktur.
Bei der Urania Meran standen die strategische Ausrichtung, regionale Besonderheiten, innovative Projekte sowie die Zusammenarbeit mit Gemeinden im Mittelpunkt. Der direkte Vergleich beider Institutionen wurde von den Teilnehmenden als besonders wertvoll erlebt und lieferte zahlreiche Anregungen für die eigene Praxis.
Konkreter Mehrwert für die tägliche Arbeit
Die Rückmeldungen der Teilnehmenden zeigen deutlich: Der Mehrwert des Job-Shadowings lag vor allem in der hohen Praxisnähe und der Möglichkeit, gezielt Fragen zu stellen, Abläufe zu beobachten und Strategien kritisch zu reflektieren.
Besonders viele Impulse konnten in folgenden Bereichen mitgenommen werden:
- Finanz- und Kursmanagement: regelmäßige Kursanalysen, gezieltere Preisgestaltung, klare Einladungspolitik und monatliche Finanzplanungssitzungen
- Kursplanung: neue Formate wie mehrteilige Kreativkurse, Lehrgänge, integrative Angebote, Tagesfahrten oder „VHS am Sonntag“
- Öffentlichkeitsarbeit und Marketing: strukturiertere Werbemaßnahmen, stärkere Einbindung von Kursleitenden, Checklisten für Kursbewerbung, Ausbau von Newsletter- und WhatsApp-Kanälen
- Organisation und Effizienz: klarere Abgrenzung von Aufgabenbereichen, Trennung von Planung und Service, Weiterentwicklung der Besprechungskultur
- Community-Building und Kundenbindung: Stärkung von Stammkund:innen und Kursleiter:innenbindung
Gerade für Mitarbeitende aus den Bereichen Programmplanung, pädagogische Leitung und Marketing bot der Austausch neue Perspektiven und konkrete Werkzeuge, die nun schrittweise in den oberösterreichischen Volkshochschulen umgesetzt werden.
Europäisches Lernen und interkulturelle Perspektiven
Neben den fachlichen Inhalten spielte auch der interkulturelle Kontext Südtirols eine wichtige Rolle. Die Region gilt als gelungenes Beispiel für das Zusammenleben mehrerer Sprach- und Bevölkerungsgruppen. Der Einblick in zweisprachige Bildungsmodelle, grenzüberschreitende Projekte und gemeinschaftsbasierte Lernansätze stärkte nicht nur die interkulturelle Kompetenz der Teilnehmenden, sondern auch das Bewusstsein für den europäischen Bildungsraum.
Ein Motivationsschub mit nachhaltiger Wirkung
Trotz des kompakten Zeitrahmens von nur wenigen Tagen erwies sich die Mobilität als äußerst erkenntnisreich. Die Kombination aus strukturierten Fachgesprächen, Job-Shadowing und persönlichem Austausch ermöglichte einen intensiven Lernprozess. Selbst organisatorische Herausforderungen – wie ein Streik der italienischen Verkehrsbetriebe am Reisetag – konnten den positiven Gesamteindruck nicht schmälern.
Das Erasmus+-Projekt hat einmal mehr gezeigt: Der Blick über den eigenen Horizont hinaus eröffnet neue Perspektiven, inspiriert zu Weiterentwicklung und stärkt das europäische Zusammengehörigkeitsgefühl. Viele der gewonnenen Ideen fließen bereits in die Weiterentwicklung der Programme, Prozesse und Angebote der oberösterreichischen Volkshochschulen ein – ganz im Sinne einer zukunftsorientierten, grenzenlosen Bildung.
Vielfalt wagen – mit Deutsch: Eindrücke von der IDT 2025 in Lübeck
Die Internationale Tagung der Deutschlehrer:innen (IDT) 2025 in Lübeck stand unter dem Leitthema „Vielfalt wagen – mit Deutsch“ und bot eine eindrucksvolle Plattform für internationalen Austausch, fachliche Weiterbildung und persönliche Inspiration. Im Rahmen unseres Erasmus+ Projekts nahmen fünf Mitarbeiterinnen aus dem Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der Tagung teil.
Internationale Vernetzung und fachlicher Austausch
Ein zentraler Mehrwert der IDT war der intensive Austausch mit Deutschlehrer:innen, Trainer:innen und Expert:innen aus aller Welt. In Gesprächen, Workshops und Diskussionsrunden wurde deutlich, welche hohe Bedeutung und welches große internationale Interesse der deutschen Sprache zukommt. Der Perspektivenwechsel und das Kennenlernen unterschiedlicher Lehr- und Lernkulturen wurden von allen Teilnehmenden als äußerst bereichernd erlebt.
Besonders die Sektionen zu Deutsch für Erwachsene, zu Testen, Prüfen und Diagnostik sowie zu digitaler Kompetenz boten praxisnahe Inputs für die tägliche Arbeit – sowohl im Unterricht als auch in der Beratung und Organisation.
Neue Impulse für Unterricht und Prüfungsarbeit
Die besuchten Vorträge und Workshops deckten ein breites thematisches Spektrum ab:
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Unterrichtsmethodik DaF/DaZ: spielerisches Lernen mit Erwachsenen, Stressreduktion im Unterricht, Umgang mit herausfordernden Unterrichtssituationen
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Digitale Medien und KI: Einsatz von KI im Sprachunterricht, Chancen und Risiken, interaktive Sprachförderung mit H5P, Microlearning-Ansätze
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Prüfen und Diagnostik: neue Perspektiven auf Prüfungsvorbereitung, Peer-Feedback-Modelle, Professionalisierung von Lehrkräften
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Mehrsprachigkeit und Vielfalt: Sprache als soziale Praxis, kulturelle Vielfalt im Unterricht, Stärkung der sprachlichen und kulturellen Identität der Lernenden
Besonders wertvoll war für viele Teilnehmende die Möglichkeit, konkrete Tools und sofort umsetzbare Methoden kennenzulernen, die den Unterricht abwechslungsreicher, effektiver und lernendenzentrierter gestalten.
Professionalisierung und persönliche Bestärkung
Neben fachlichen Inputs bot die IDT auch Raum für Reflexion des eigenen beruflichen Handelns. Mehrere Rückmeldungen betonen, wie stärkend es war, den eigenen Lehrstil im internationalen Vergleich bestätigt zu sehen und neue Argumentationshilfen für die eigene Praxis zu gewinnen – etwa im Umgang mit Mehrsprachigkeit oder digitalen Lernformen.
Für ÖSD-Prüferinnen und Mitarbeitende im organisatorischen Bereich waren insbesondere die Beiträge zu Qualitätssicherung, Prüfungsformaten und Auswahlkriterien für Kursleitende von großem Nutzen.
Rahmenprogramm und Organisation: Lernen in inspirierender Atmosphäre
Auch das Rahmenprogramm trug wesentlich zum positiven Gesamteindruck bei:
Empfang, Strandparty, Stadtführungen durch das historische Lübeck sowie die DACH-Filmvorführung boten zahlreiche Gelegenheiten zum informellen Austausch und zur Vernetzung. Die Stadt Lübeck präsentierte sich als äußerst engagierte Gastgeberin mit hervorragender Infrastruktur und Willkommenskultur.
Besonders hervorgehoben wurde die IDT-App, die Programm, persönliche Kalender, Orientierung und Networking übersichtlich bündelte und den Tagungsalltag deutlich erleichterte. Die Organisation vor Ort wurde von allen Teilnehmenden als professionell, hilfsbereit und sehr gut koordiniert erlebt.
Nachhaltige Impulse für die Praxis
Die IDT 2025 war für alle Teilnehmenden fachlich wie persönlich äußerst bereichernd. Neue Unterrichtsmethoden, digitale Werkzeuge, internationale Perspektiven und der kollegiale Austausch lieferten zahlreiche Impulse, die nun in die tägliche Arbeit im Unterricht, in Prüfungen und in organisatorische Prozesse einfließen.
Die Tagung hat einmal mehr gezeigt:
Vielfalt, Mehrsprachigkeit und digitale Innovation sind zentrale Zukunftsthemen im Deutschunterricht – und Erasmus+ ermöglicht es, diese Entwicklungen aktiv mitzugestalten.
Musik, Bild und Wort: Neue Impulse für meinen Spanischunterricht in Santiago de Compostela
Im Rahmen einer Erasmus+ Mobilität habe ich am Kurs „Musik, Bild und Wort im ELE-Unterricht“ in Spanien teilgenommen. Ziel der Fortbildung war es, praxisnahe didaktische Werkzeuge kennenzulernen und neue methodische Ansätze für meinen Spanischunterricht zu erproben.
Der Kurs war abwechslungsreich gestaltet und verband theoretische Grundlagen mit praktischen Übungen. Besonders spannend fand ich, wie Filme, Kurzfilme, Werbung und Musik gezielt in den Unterricht integriert werden können. Außerdem habe ich neue Webseiten und digitale Tools kennengelernt, mit deren Hilfe ich eigenes Unterrichtsmaterial erstellen kann. Sehr bereichernd war für mich auch der intensive Austausch mit den anderen Teilnehmenden, von denen die meisten ebenfalls Spanischlehrer:innen waren. Wir konnten unsere Erfahrungen teilen, voneinander lernen und gemeinsam Unterrichtsideen reflektieren. Neben den Kursstunden gab es auch kulturelle Aktivitäten, darunter zwei Ausflüge nach Santiago de Compostela und Museumsbesuche. Diese haben mir geholfen, die Geschichte und Kultur der Stadt besser zu verstehen und meinen Unterricht künftig noch lebendiger zu gestalten.
Insgesamt war die Erasmus+-Mobilität für mich äußerst inspirierend. Die praxisnahen Inhalte, der internationale Austausch und die Impulse für meinen Unterricht haben mir viele neue Ideen und Methoden mit auf den Weg gegeben, die ich direkt in meiner Arbeit umsetzen kann.
Wirksame Klimakommunikation: Neue Impulse für Bildungsarbeit und Organisationsentwicklung
Im Rahmen einer Erasmus+ Mobilität nahm ein Programmmanager der Volkshochschule an der fünftägigen Fortbildung „Wirksame Klimakommunikation – Weiterbildung für Multiplikator*innen“ in Berlin teil. Die intensive Schulung vermittelte aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zur effektiven Klimakommunikation, praxisnahes Wissen erfahrener Kommunikator*innen sowie vielfältige didaktische und methodische Materialien. Ergänzt wurde das Programm durch Zeit für Diskussion, Reflexion und die gezielte Entwicklung eines eigenen Klimakommunikationsprojekts.
Für die tägliche Arbeit und die strategische Weiterentwicklung der Bildungsangebote der Volkshochschule erwies sich die Mobilität als besonders wertvoll. Um den nachhaltigen Transfer in die Organisation sicherzustellen, wurde ein bereits geplantes Projekt aktiv in die Fortbildung eingebracht und weiterentwickelt. Darüber hinaus sind interne Workshops geplant, um die gewonnenen Erkenntnisse und Kompetenzen an Kolleg:innen weiterzugeben und langfristig in der Bildungsarbeit zu verankern.
Lernen mit allen Sinnen: Abenteuerpädagogik, Natur und digitale Werkzeuge
Im Rahmen einer Erasmus+ Mobilität im Abenteuer- und Outdoor-Bildungsbereich nahm eine Kursleiterin unserer Volkshochschule an einer intensiven und inspirierenden Fortbildung in Griechenland teil, die Natur, Bildung und digitale Technologien miteinander verband.
Die Woche begann mit dem Kennenlernen und dem Austausch in einer offenen, kooperativen Gruppe. Besonders spannend war der praxisnahe Einblick in den Einsatz von künstlicher Intelligenz in Bildungsprozessen.
Ein emotionaler Höhepunkt war die Arbeit mit Pferden: Diese Aktivität verdeutlichte, wie Natur, Beziehungsgestaltung und Lernen zusammenwirken können, und zeigte, wie sich strukturierter Unterricht und spielerisches Lernen ergänzen.
Am dritten Tag lag der Fokus auf dem digitalen Tool Canva. In Gruppenarbeit entwickelten die Teilnehmenden eine komplette Unterrichtseinheit, wobei Kreativität, Kooperation und effiziente Planung im Vordergrund standen. Weitere Highlights waren das Schreiben in antiken Schriftzeichen sowie eine Führung durch die Anlage, die Impulse zu Zielorientierung, Durchhaltevermögen und bewusstem Gestalten vermittelte.
Die Fortbildung betonte inklusive Abenteuerpädagogik mit Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Ziel war es, persönliche Entwicklung, Teamarbeit und kreatives Lernen zu fördern, Herausforderungen in der Natur bewusst zu gestalten und digitale Werkzeuge für Struktur und Reflexion einzusetzen – für Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen.
Für die Kursleiterin war diese Mobilität eine außergewöhnlich bereichernde Erfahrung: Sie verband fachliche Weiterbildung, persönliche Entwicklung und emotionale Erlebnisse auf einzigartige Weise. Die Kombination aus Natur, digitalen Kompetenzen, Teamarbeit und kreativen Methoden eröffnet neue Perspektiven für den Unterricht.
„Es war eine wirklich schöne Woche voller bedeutungsvoller Details – wunderbare Gesellschaft, eine wunderschöne Location, eine durchdachte Organisation und so viel wertvolles Wissen.“

